Backup: Nicht immer sicher

Am Sonntag erlitt ich fast einen Herzinfarkt. Dazu aber von vorn!

Mein MacBook Pro hat jetzt schon etwas über 3 Jahre auf dem Buckel. Es lahmt und muckt, so dass es entweder mal neu installiert werden müsste oder das man direkt ein neues kauft. Zu ersterem habe ich keine Lust und bei letzteren hat Apple noch kein MacBook Pro mit integriertem UMTS im Angebot. Also warte ich noch.

Am Samstag fingen die Lüfter des MBPs an, auf Hochtouren zu laufen und die Kiste reagierte nicht mehr. Auch der Griff um bestimmte Programme abzuschießen machte keine Anstalten etwas gegen die Situation beizutragen. Mein Ausweg war, den Apple einfach auszuschalten — was sich im Nachhinein als fataler Fehler herausstellen sollte. Nach einem Neustart konnte ich mich mit meinem User nicht mehr einloggen. Nach der Passworteingabe kam nach kurzer Zeit das Login‐Fenster zurück. Mit jedem anderen User auf dem Laptop konnte ich mich einloggen. Die Log‐Konsole zeigte nur an, dass das Login‐Fenster gecrasht ist. Von der Installations‐CD habe ich die Festplatte prüfen und reparieren lassen. Einloggen konnte ich mich aber immer noch nicht. Um die Geschichte abzukürzen — ich habe noch einiges ausprobiert und getüftelt, aber irgendwann habe ich die Nerven und Lust verloren.

Wofür habe ich denn ein TimeMachine Backup erstellt, welches gerade mal eine Stunde alt ist? Samstag Abend habe ich dann den Restore gestartet und Sonntag in der Früh konnte ich mich dann wieder ganz normal anmelden.

Und dann bekam ich den ersten Schock und mir wurde schwarz vor Augen. TimeMachine hat nicht mein iPhoto‐Archiv mitgesichert. 10 Jahre an digitalen Erinnerungen waren weg. Nach einer Stunde unter Magenschmerzen und Selbstvorwürfen fiel mir dann doch noch ein, dass ich ein etwas älteres, manuelles Backup der Bilder hatte. Es war vom 1. Oktober 2009 und es fehlt also das letzte halbe Jahr, aber ausser der Besuch der Tim Mälzer Show, einer Feier mit Freunden und der Dresdenbesuch mit der Firma, fehlt nichts weltbewegendes. Ich war froh, dass die Hochzeitsfotos wieder da waren und die Urlaubsbilder, sowie die Erinnerungen an meine verblichenen Vorfahren.

Ab jetzt werde ich mich nicht mehr allein auf TimeMachine verlassen. Fortan sicher ich meine Daten online bei Backblaze (Affiliate Link). Hierfür geht mein Dank an Martin für den Tipp und seine positiven Erfahrungen damit.

Backblaze ist ein Online‐Datensicherungs‐Dienst. Dort angemeldet, werden über ein Hintergrundprogramm die persönlichen Daten automatisch zu Backblaze verschlüsselt übermittelt und gesichert. Für schlappe $5 im Monat, was nicht einmal €4 sind, sind meine Daten gegen Diebstahl, Brand oder sonstiger Verlust gesichert. Im Moment lade ich meine Daten mit 1 MBit pro Sekunde hoch. 6 GB sind schon bei Backblaze, weitere 110 GB folgen noch. Ich denke, dass ich in einem Monat mit dem initialen Backup fertig bin.

Weiter werde ich mir eine zweite Festplatte zulegen und einmal im Monat meine Festplatte mit SuperDuper clonen. Damit wäre dann der Rechner wieder schnell einsatzbereit und ich habe ein weiteres Backup im Haus.

Zu guter letzt werde ich weiterhin auf TimeMachine vertrauen. Ich habe nicht geahnt, dass TimeMachine noch nicht fertig war mit einem vollständigen Backup.

Ich hoffe, dass ich nun gegen digitale Desaster und Herzinfarkte aufgrund von Datenverlust gesichert bin.

Ach ja, ein paar Fotos konnte ich sogar noch von der gelöschten Speicherkarte mit dem kostenlosen Exif Untrasher retten. Ein super Programm!

UPDATE 8. April 2009
Es hat 17 Tage gedauert, bis das 110 GB starke Backup bei Backblaze hochgeladen war. Theoretisch würde meine 16Mbit Leitung 1MBit im Upload schaffen, was ungefähr 10 GB am Tag entspricht. Da aber auch einige kleine Datei hochgeladen werden und dabei nicht die volle Leitungskapazität genutzt wird, kommt man im Schnitt auf 6–7 GB am Tag.

Ob sich der Aufwand lohnt? Das werde ich beim nächsten Datencrash sehen…

14 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin sehr misstrauisch, was solche Dienste wie Backblaze angeht. Wie zuverlässig funktioniert es ?

  2. Backblaze ist in Europa einfach zu lahm. Bis ich da meine mehr als 1TB Daten hoch habe…
    Time Machine sollte man ab und an überprüfen. Ich benutze dazu das Programm BackupLoupe, damit kann man dann ganz leicht graphisch schauen, was wann gesichert worden ist. Wenn mir etwas sehr wichtig ist, schaue ich natürlich auch mal manuell rein, ob es auch wirklich da ist.

  3. Also ich habe mir Twin mit einem eigenen Amazon S3 Account gegönnt nachdem ich Mozy, Backblaze und alle anderen Backup dienste getestet und zu für Lahm befunden habe. Das gut an der Kombination, du kannst die Daten redundant auf eigenen Servern und auch noch auf Amazon sichern und der Soeed auf Amazon Servern ist Hammer.

  4. BackupLoupe? Danke für den Tipp! Werde ich mal ausprobieren.

    Wie zuverlässig Backblaze ist, kann ich wohl erst sagen, wenn der Ernstfall eingetroffen ist. Ich werde, wenn das erste Backup vollständig ist, mal ein paar Gigabyte zurücksichern um zu sehen, ob es auch funktioniert. Misstrauisch bin ich nur minimal. Das Backup ist mit einem Schlüssel meiner wahl encryptet. Der sollte aber auch irgendwo sicher liegen — im Falle eines Falles …

    Zum Upload zu Backblaze kann ich nur sagen, dass meine 1Mbit Upload voll ausgereizt sind im Moment. Ok, bei 1 TB brauchst du ewig, bis die dort sind. Aber so eine grosse Musiksammlung haben die wenigstens. :mrgreen:

    @Amos
    Speed ist sicherlich auch ein Punkt. Aber was zahlst du für den S3 Dienst als Backup? Über 100 GB dort zu lagern gehen ins Geld. Und bei Backblaze und Mozy könnte man (auch für viel Geld) sich die Daten auch per Festplatte schicken lassen. Wenn es mal schnell gehen soll …

  5. Ja, ein TB sind langsam etwas viel, wobei so manch anderer mich dafür auch belächelt. Mukke sind da nur 160GB von. Ich werde wohl erst noch bei TM bleiben und mir eine größere HDD dafür zulegen. Backblaze werde ich erst wieder testen, wenn ich Ende des Jahres mein VDSL mit 8010 bekomme und ich dann sehe, ob ich tatsächlich die 10Mbit/s Up bekomme 😉

  6. Das tut mir sehr leid. Aber gut, dass wenigstens nicht zehn Jahre, sondern nur ein halbes Jahr endgültig verschwunden ist, was natürlich auch schon ärgerlich genug ist, vor allem, wenn man sich ja um seine Datensicherung kümmert. Ich sichere meine Bilder regelmäßig auf DVD, vielleicht ist das zumindest mit den wichtigsten Fotos für die Zukunft eine Alternative.

  7. Das mit den Bildern ist wirklich ärgerlich, kenne das Problem mit diesen Backuptools nur zu gut :(. Sei aber froh das du noch ein „händisches“ Backup hattest. Als sowas ähnliches mir damals passierte hatte ich das nämlich nicht und ich konnte mir gar nicht genug in Popo beißen…

    Ich mache seit dem auch nur noch Backups per Hand, der Rest ist mir zu Riskant. Spiele alle Daten auf eine Externe SSD‐Festplatte.

    Grüße

  8. iPhoto sichert bei mir zuverlässig die komplette Datenbank. Schon mehr als oft genug in Anspruch genommen.

  9. Ich habe die iPhoto‐DB nicht aus dem Backup genommen. TimeMachine war einfach nicht fertig mit dem Backup, obwohl TimeMachine das doch angezeigt hat.

  10. Bezüglich Backblaze habe ich bislang nur gute Erfahrungen gemacht und habe damit auch schon eine Wiederherstellung mit knappen 400GB durchgeführt. Ja, auch bei mir sind die Uploads lahm, aber da sie im Hintergrund laufen, stört mich das nicht.

    Time Machine habe ich zugunsten von SuperDuper! abgeschaltet. Erstens brauche ich kein Versionierungssystem mit Backupcharakter, sondern ein rasches und sicheres Backup‐Modul und zweitens haben die stündlichen TM‐Backups meinen mittlerweile nicht mehr ganz neuen Rechner etwas in die Knie gezwungen. Nun sichert SuperDuper meine Daten nachts auf eine externe Platte und fährt danach den Rechner herunter. Unter Tags kann ich daher ungestört arbeiten.

  11. Wäre auch mal eine Überlegung für mich, Time Machine zu deaktivieren und stattdessen per SuperDuper regelmäßig ein Backup anzulegen. Die „Versionierung“ von TM habe ich bisher nie gebraucht, wobei ich diese schon interessant finde. Nur ist TM bei total lahm und braucht ewig, bis es fertig ist.

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